1983
Run-D.M.C

It’s Like That

Run-D.M.C ist eine amerikanische Hip-Hop-Gruppe, die 1981 von Joseph “Reverend Run” Simmons (*1964) und Darryl “DMC” McDaniels (*1964) in Hollis, Queens, New York gegründet wurde. Die beiden holten nach ihrem High School-Abschluss noch Jason “Jam Master Jay” Mizell (*1965) dazu, der als DJ fungierte. Ihre erste Single IT’S LIKE THAT stieg 1983 in die amerikanischen Billboard Charts direkt auf Platz 15 ein, was vorher noch keiner anderen Hip-Hop Band gelang.

I. Entstehungsgeschichte

Der Song IT’S LIKE THAT war die erste Singleauskopplung der Gruppe im Jahre 1983. Er wurde vom Gründungsmitglied Joseph “Reverend Run” Simmons und Darryl “DMC” McDaniels geschrieben. Unterstützung erhielten sie  dabei von dem Produzenten Larry Smith. Der Song wurde ein Hit (auf der B-Seite befand sich eine Auskopplung mit dem Titel “Sucker M.C’s”). Die Idee zum Song hatte Simmons, nachdem er den Rap-Pionier Kurtis Blow traf, und von seinem Bruder Russel – er war gleichzeitig der Manager Blow’s – animiert wurde, seine Ideen umzusetzen. Russel gab ihm den Tipp, in seinen Raps Geschichten zu erzählen, und machte ihm zusätzlich den Vorschlag, über verschiedene Themen zu rappen und nicht nur bei einem zu bleiben. Joseph Simmons selbst erklärte zum Hintergrund des Songs, dass er den Menschen zeigen wollte, wie die Welt da draußen so ist und wie sie sich selbst weiter entwickeln können (vgl. songfacts.com [24.3.2015]). Larry Smith, musical director von Rush Productions – dem Plattenlabel von Russel Simmons – wusste um Joseph Simmons Talent als Songwriter und bat diesen für 100 US-Dollar einen Song für Kurtis Blow zu schreiben, der von Larry Smith produziert wurde. Joseph Simmons gefiel jedoch der Beat nicht, den Smith für den Song komponierte, und bat ihn, selbst ein Demo aufnehmen zu dürfen. Joseph Simmons ging daraufhin mit dem noch nicht fertigen Song zu McDaniels, da er “ein bisschen Unterstützung” brauchte und dieser [McDaniels] “[…] kam mit ein paar wichtigen Hooklines an und stopfte mit ein paar Zeilen die Löcher” (Dimery 2011: 528). Der Song überzeugte Russel Simmons, der ab diesem Zeitpunkt die Band managte, und zusammen mit McDaniels bastelten sie, Joseph Simmons und er, an verschiedenen Hooklines und Texten. Nachdem Joseph Simmons und McDaniels die High School beendet hatten, holten sie  Jason “Jam Master Jay” Mizell, der bei der Gruppe überwiegend als DJ tätig sein sollte, dazu. Dieser spielte auf einem Oberheim DMX Synthesizer den Beat ein und sie produzierten den Song zusammen mit dem Plattenlabel von Joseph Simmons Bruder, Russel’s Rush Productions. IT’S LIKE THAT sollte also ursprünglich für Kurtis Blow sein, wurde aber erst unter den Ideen von Run-D.M.C. zu einem richtigen Erfolg.

Russel Simmons war vom Ergebnis des Songs so begeistert, dass er die drei auf Tour schickte und ihnen half, ihr Debut-Album zu produzieren. Während sich andere ‘Ghetto-Kids’ bei ihrem ersten Auftritt sofort mit ihnen identifizieren konnten, wurden sie vom weißen Publikum nur verspottet, verhöhnt und ausgelacht. Ihr Wille, sich in der Musikwelt zu etablieren, wurde jedoch dadurch nur größer, und so erreichten sie schließlich einen unter Hip-Hop-Formationen bis dato nicht gekannten Grad der Popularität (vgl. Heimlich 1999).

II. Kontext

Schwarze Lederanzüge, dunkle Filzhüte, schwere Goldketten um den Hals und Adidas-Turnschuhe ohne Schnürsenkel waren Markenzeichen von Run-D.M.C. So traten sie auf und spiegelten eher das Image des B-Boy-Straßencharakters wider, wenngleich ihre Texte eher das schwarze Mittelklasseethos repräsentierten (vgl. Dimery 2011: 1527). Der Song leitete eine Kette verbal treffsicherer Rapstücke ein, deren musikalische Begleitung rudimentär, aber effektvoll am Text gehalten wurde. Vor allem in den afroamerikanischen Wohngebieten breitete sich der Musikstil schnell aus (vgl. Zeise 2006: 7).

Run-D.M.C sprachen sich immer wieder ausdrücklich für den Gebrauch von Verhütungsmittel, gegen Drogen, Aussteigermentalität und Straßenkriminalität aus. Dennoch wurde ihr sinisteres Bühnen-Image oft als auslösendes Moment für Ausschreitungen missverstanden, bei denen es auch zu Todesopfern kam (vgl. Dimery 2011: 1528).

III. Analyse

Der Song handelt vom Umfeld der Jungs, in dem sie wohnten und aufwuchsen. Es gab ein hohes Maß an Arbeitslosigkeit, kaum bezahlbaren Wohnraum, viel Gewalt und Drogen, wie die Textzeile “Unemployment at a record high / People coming, people going, people born to die” zu verstehen gibt. Die Musiker wollten zwar auf diese Zustände aufmerksam machen, aber trotz der sozialen Ungerechtigkeit und der politischen Probleme den Menschen auch Mut zusprechen und die Botschaft vermitteln, sich nicht unterkriegen zu lassen und vor allem Vorurteilen keine Chance zu geben, da sie alle in den gleichen “Schuhen” steckten (“Here’s another point in life you should not miss / Do not be a fool who’s prejudice / Because we’re all written down on the same list”).

Der Song besteht aus sechs Versen mit insgesamt zwei Abschnitten. Ein richtiger Refrain ist dabei nicht zu erkennen, wobei das “Huh!” einen kurzen, aber prägnanten Instrumentalteil einleitet, der durch den Wechsel zwischen Bassdrum und Hi-Hat markiert wird. Den Song zeichnet ein minimalistischer, rauer und aggressiver Beat aus, der sich das ganze Lied hindurch zeigt. Zusätzlich kommen die schnellen, wechselnden Raps von Simmons (Run) und McDaniels (DMC) hinzu (vgl. Dimery 2011: 528). Jason Mizell war zuständig für das Scratchen, welches immer vor den Raps diese ankündigte und gewissermaßen als Zwischeneinlage diente. Der Text von Run und DMC ist eine Anspielung auf das Leben im Ghetto, das mit all seiner Realität und Beschwernissen thematisiert wird. Rap redet nicht mehr, er sagt etwas (vgl. Zeise 2006: 7). Der Fokus liegt hier deutlich auf Erfolg und Geld. Der Song ist, laut Fans, der erste Hardcore Hip-Hop-Song, da er sich vom früheren Hip-Hop, der sich eher an milden Jazz-Grooves orientierte, abhebt (vgl. ebd.: 6).

IV. Rezeption

Der Song erhielt in mehreren Ländern Platin-Auszeichnungen. Am Tag seiner Veröffentlichung schoss er auf Platz 15 der amerikanischen Billboard Charts und arbeitete sich sogar bis auf Platz 1 vor. Im internationalen Kontext erregte er jedoch zunächst wenig Aufsehen. Die Gruppe erhielt 1984 als erster Hip-Hop-Act überhaupt eine Goldene Schallplatte und gilt neben anderen Künstlern wie Grand Master Flash, Public Enemy oder LL Cool J als Wegbereiter des Hip-Hops. Ihr Video zum Stück “Rockbox” wurde als erstes Rap-Video auf MTV ausgestrahlt. Auch waren sie die erste Hip-Hop-Gruppe, die es auf das Cover des Rolling Stones schaffte und die ihre Handabdrücke auf dem Walk of Fame in Hollywood verewigen durfte (vgl. Schmidt-Joos 2008: 528).

1997 gab es eine Neuauflage des Songs von DJ Jason Nevin. Der Remix toppte in vielen Ländern alle Erwartungen und stieg etwa in Australien, Irland, Neuseeland, der Schweiz und in Großbritannien direkt auf Platz 1 ein. In den amerikanischen Billboard Charts kam er direkt in die Top 100. In Großbritannien blieb er für sechs Wochen auf Platz 1 und erlangte vor allem dadurch Berühmtheit, weil er die Spice Girls zum ersten Mal davon abhielt, die Chartspitze zu erklimmen. IT’S LIKE THAT belegte in Großbritannien unter den meistverkauften Singles des Jahres 1998 Platz drei. Im 1997 erschienen Video sieht man zwei Breakdance-Gruppen, männlich und weiblich, gegeneinander antreten. Nach mehreren Battles gewinnen schließlich die Frauen. 1999 benutzten Jagged Edge den Beat des Songs als Grundlage ihres Songs “Let’s get married”.

Der Song ist in mehreren Videospielen vertreten: Grand Theft: Vice City Stories, Scarface: The World is yours, Singstar (Remix von Jason Nevin) für Play Station. Zudem wurde der Remix in einem Werbespot für die Getränkemarke Fanta eingesetzt.

 

CATRIN LIEHR


Credits

Songwriting: Darryl McDaniels, Joseph Simmons, Larry Smith
Mix: Elai Tuba, Kurtis Blow
Producer: Russel Simmons, Larry Smith
Label: Profile Records
Recorded: 1982
Published: 1983
Length: 4:10 min

Recordings

  • Run-D.M.C. “It’s Like That”, It’s Like That/Sucker M.C.’s, 1983, Profile Records, PRO-7019, US (Vinyl/Single).
  • Run-D.M.C. “It’s Like That”, It’s Like That/Sucker M.C.’s, 1983, Ariola, 105 786/105 786-100, Germany (Vinyl/Single).
  • Run-D.M.C. “It’s Like That”, It’s Like That/Sucker M.C.’s (Krush Groove 1), 1983, Profile Records, PRO 5019 DJ, US (7”/Promo).
  • Run-D.M.C. “It’s Like That”, It’s Like That/Sucker M.C.’s, 1983, Ariola, 600 982, Germany (Vinyl/12”).
  • Run-D.M.C. “It’s Like That”, It’s Like That/Sucker M.C.’s, 1983, Profile Records, PRO-7019-DJ, US (12”/Promo).
  • Run-D.M.C. “It’s Like That”, Run-D.M.C, 1984, Profile Records, PRO-1202, US (LP/Album).
  • Run-D.M.C. King of Rock, 1985, Profile Records, PRO-1205, US (Vinyl/LP7Album).
  • Run-D.M.C. Raising Hell, 1986, Profile Records, PRO-1217,US (Vinyl/LP/Album).
  • Run-D.M.C. Tougher Than Leather, 1988, Profile Records, PRO-1265, US (Vinyl/LP/Album).
  • Run-D.M.C. Back from Hell, 1990, Profile Records, PRO-1401,US (Vinyl/LP/Album).
  • Run-D.M.C. Down With The King,1993, Profile Records, PRO-1440, US (2 x Vinyl/LP/Album).
  •  Run-D.M.C.  “It’s Like That”, It’s Like That/Sucker M.C.’s, 1995, Profile Records, PRO-7019-0, US (Vinyl/RE).
  •  Run-D.M.C. “It’s Like That”, Run-D.M.C, 1999, Profile Records, ARCD-6406, US (CD/Album/RE).
  • Run-D.M.C. “It’s Like That”, Crown Royal, 2001, Arista, 07822-16400-1, US (CD/Album).
  • Run-D.M.C. “It’s Like That”, Live at Montreux 2001, 2007, Eagle Vision/Montreux Sounds, EAGCD357/GAS 0000357 EAG/none, US (CD/Album).

Covers

  • Run-D.M.C. vs. Jason Nevins. “It’s Like That”, It’s Like That,1997, Avex Asia Ltd./Avex Traks, AVTCDS-092, Hong Kong (CD/Maxi-Single).
  • Run-D.M.C. vs. Jason Nevins. “It’s Like That”, It’s Like That, 1997, David Gresham Records, CDSDGR 23,South Africa (CD/Single).
  • Run-D.M.C. vs. Jason Nevins. “It’s Like That”, It’s Like That, 1997, Sm:)e Communications, SM-9065-2, US , (CD/Single).
  • Run-D.M.C. vs. Jason Nevins.  “It’s Like That”, It’s Like That, 1997, PIAS Benelux, 456.9065.22, Belgium (CD/Maxi-Single).
  • Run-D.M.C. vs. Jason Nevins.  “It’s Like That”, It’s Like That, 1997, Mascotte Music, 192 394.2, France (CD/Single).

References

  • Dimery, Robert: Run-D.M.C. In: 1001 Songs die sie hören sollten bevor das Leben vorbei ist. Ed. by Robert Dimery. Oetwil am See/Zürich: Olms 2008, 1527-1529.
  • Heimlich, Adam: RUN-D.M.C. URL: http://www.thestranger.com/seattle/run-dmc/Content?oid=968 1999 [23.03. 2015].
  • Kampmann, Wolf/Schmidt-Joos, Siegfried: It’s like that. Run-DMC 1983. In: Rocklexikon. Band 2. Ed. by Wolf Kampmann and Siegfried Schmidt-Joos. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 2008, 528.
  • Madden, Bryan Lee: Old School Rap 101 – Run-DMC’s self title debut. URL: http://www.sputnikmusic.com/review/33672/Run-DMC-Run-DMC/ [04.02.2015].
  • N.N: It’s Like That by Run-D.M.C. URL: http://www.songfacts.com/detail.php?id=5261 [04.02.2015].
  • Zeise, Tina: Worte und Vinyl. Kommunikative Aspekte der Rapmusik in Deutschland. Dissertation. München 2006. URL: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/5625/1/Zeise_Tina.pdf [26.3.15].

Links

  • www.rundmc.com [04.02.2015].

About the Author

Catrin Liehr studies teacher for secondary school with the subjects Music, English and Geography at the University of Education Freiburg. The analysis was written in a course of Prof. Dr. Georg Brunner (University of Education Freiburg).
All contributions by Catrin Liehr

Citation

Catrin Liehr: “It’s Like That (Run-D.M.C.)”. In: Songlexikon. Encyclopedia of Songs. Ed. by Michael Fischer, Fernand Hörner and Christofer Jost, http://www.songlexikon.de/sogs/itslikethatrundmc, 05/2015 [revised 09/2015].

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